Meine Aussichten, diesen Krebs zu besiegen, stehen mindestens 60 zu 40. Ich bin noch ziemlich jung, und wir haben eine aggressive Therapie ins Auge gefasst, was meine Chancen wahrscheinlich noch erhöht Dennoch weiß ich nicht, wie viel Zeit mir bleibt, und ich kann erst dann einigermaßen sicher sein, wenn ich fünf Jahre ohne Rückfall überlebt habe. Ein Rückfall, ein Rezidiv, wäre schlimm. Denn dann wendet sich die Wahrscheinlichkeit gegen mich, und zwar radikal. Das sagen alle: Allgemeinärzte, Radiologen, Krankenpflegepersonal. Wer behauptet, dass Angst nicht Teil der Gleichung sei, macht sich etwas vor. Ich muss das alles erst einmal verarbeiten, meine Position bestimmen. Bleibe ich passiv? Werde ich aktiv und recherchiere? Will ich das wirklich überleben? Ich weiß ja gar nicht genau, was mich erwartet. Wird sich meine Stimme verändern? Ein Stück von meiner Zunge wird fehlen, dazu ein Teil der Stimmbänder und Schlundmuskulatur. Es trifft Politiker und Prominente ebenso wie Leistungssportler und Lehrer. Selbst Arbeitslose sind vor Burn-out nicht gefeit. Die Zahl jener, die wegen eines chronischen Erschöpfungssyndroms und oft auch einer daraus entstehenden Depression krankgeschrieben werden, ist in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. Knapp jeder zehnte Berufstätige in Deutschland gibt laut einer aktuellen Untersuchung des Marktforschungsinstituts  im Auftrag der Gesundheitsexperten an, er halte es für möglich, selbst ein Burn-out zu erleiden.Die Ursachen sind vielschichtig, nicht selten hausgemacht. Wir leben in einem Zeitalter, in dem meist die Maxime gilt: immer schneller, immer weiter, immer größer, immer besser — und zwar nicht nur im Beruf, sondern oft auch im Privatleben. Diese Leistungsbereitschaft, dieses Streben nach Anerkennung und auch der damit verbundene Perfektionismus sind gefährlich. Nicht selten tappen gerade die engagiertesten Mitarbeiter in die Burnout-Syndrome. Sie sind im wahrsten Sinn des Wortes ausgebrannt. Er forscht nicht nur, sondern kennt selbst das Gefühl, ausgebrannt zu sein. Eine seiner Hauptaussagen: „Wir haben es verlernt, abzuschalten."
Dieses Grundbedürfnis nach Erholung müssen wir uns bewahren. Gönnen Sie sich bewusst Zeiten der Ruhe und der Distanz. Seien Sie vor allem mutig, wenn es gilt, auch einmal Nein zu sagen.

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